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Iustitia ist wirklich blind

Weshalb haben die Eagles das Spiel gegen Torino Bulls am grünen Tisch verloren?


Nachdem immer wieder Fragen auftauchen, was es mit dem Phantom-Spiel in Turin im Rahmen der italienischen Meisterschaft auf sich hat, hier die Erklärung. Mit einer gesunden Portion Sarkasmus.

 

Iustitia, die Göttin der Gerechtigkeit, wird immer mit verbunden Augen dargestellt. Es ist ein Symbol der Unparteilichkeit. Es gibt aber Fälle wo die Augenbinde einfach nur den Durchblick verhindert.

So geschehen im Zusammenhang mit dem Spiel in der Italienmeisterschaft in Turin, zwischen den Torino Bulls und den Eagles, das für Samstag, den 29. Dezember 2018 anberaumt war. Moment… das Spiel hätte eigentlich nicht festgelegt werden dürfen, denn die Begegnungen werden nach Vereinbarung zwischen den Mannschaften in den Spielkalender aufgenommen. Mit anderen Worten, die Heimmannschaft bietet Termine an und die Gastmannschaft wählt und akzeptiert einen der möglichen Termine im Einklang mit den eigenen Verpflichtungen oder Möglichkeiten. Bis hierher eigentlich vernünftig.

Haarig wird es – wie im Fall des besagten Spiels – wenn die Heimmannschaft nur einen Termin anbietet, der von der Gastmannschaft aus berechtigten Gründen abgelehnt wird. Absurd wird es, wenn die Heimmannschaft, oder der für das Zusammentragen der vereinbarten Termine Verantwortliche, den Termin einfach als gegeben annimmt, obwohl eine schriftliche Ablehnung vorliegt. Noch absurder wird die Geschichte, wenn die Gastmannschaft monatelang auf diesen Umstand hinweist und Alternativen anbietet, der Verband aber plötzlich der Meinung ist, der Kalender würde schließlich von ihm bestimmt. Wohlgemerkt nur auf dieses eine Spiel bezogen, für alle anderen Termine wurden die Vereinbarungen zwischen den Mannschaften akzeptiert und sogar Ausnahmeregelungen in Bezug auf eine Fristverlängerung gewährt. Der Gipfel der Absurdität wird erreicht, wenn die Heimmannschaft sogar ganz offen zugibt, dass die Gastmannschaft den Termin von vorne herein abgelehnt hat.
Selbst das Angebot, unter der Woche in Turin zu spielen, wird von Turin – nachdem die Mannschaft diese Option selbst in den Raum gestellt hatte – urplötzlich abgelehnt.

Die Eagles sind am 29.12.2018, wie bereits am 5. September, also bevor der Kalender genehmigt wurde, schriftlich deponiert, zu diesem Spiel nicht angetreten, weil der Termin nicht vereinbart war.

Die logisch/unlogische Folge: Eine 5:0 Niederlage am grünen Tisch. Von da an nimmt die Geschichte immer kafkaeskere Züge an. Der Sportrichter spricht Turin den Sieg zu, verdonnert die Eagles, wie vom Reglement vorgesehen zu einer 1.500 Euro Geldstrafe und – jetzt wird’s ganz doll – zur Rückerstattung der Kosten für die Organisation des Spiels in Turin! D.h. Miete der Halle, Schiedsrichter, Arzt, Summa Summarum ca. 600 Euro. Was der Sportrichter dabei offensichtlich übersehen hat: die Verpflichtung, der Heimmannschaft die Kosten eines ausgefallen Spiels zu ersetzen, greift NUR, wenn das Spiel nachgeholt wird (und das ist auch logisch). So steht es unmissverständlich im Reglement. Wenn man es liest, kennt und anwendet. Nachdem er in besagter Begegnung Turin aber offensichtlich den Sieg zugesprochen hat, gibt es kein Nachholspiel und damit auch keine Verpflichtung die Kosten zu erstatten. Jeder Mensch mit Hausverstand erkennt den Widersinn.

Die Eagles haben in der Folge zusammen mit einem Rechtsanwalt einen zehnseitigen Rekurs verfasst in dem alle Fehler der Entscheidung des Verbandes zuerst und des Sportrichters danach schonungslos offengelegt wurden. Die gesamte Vorgeschichte – in Form von 29 Seiten Anlagen – wurde dokumentiert.
Die Berufungskommission weist den Rekurs ab und geht dabei nicht auf ein einziges Argument des Rekurswerbers ein. Im Gegenteil, liest man die Begründung kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Urteil schon vorher geschrieben war. Nicht einmal die zweifache Verletzung eigener Regeln durch den Verband selbst und durch den Sportrichter fällt auf. Der Verband beispielsweise – es klingt im Urteil an – hätte das Recht den Spieltermin festzulegen, dabei steht ihm dieses Recht nur bei Nachholspielen zu, wenn die beiden Mannschaften sich auf keinen Termin einigen können. Und wohlgemerkt, der Verband hätte für den Termin einen Sonntag festlegen müssen, denn die Regeln sagen ganz klar, dass der Sonntag offizieller Spieltag ist und nur nach Vereinbarung zwischen den Mannschaften davon abgewichen werden kann. Und die hat es ja nicht gegeben.

Es erübrigt sich jeder weitere Kommentar.